LSVD bLOG 02.10.14: QueerFest in Russland zu Ende gegangen

Wir dokumentieren die Pressemitteilung vom 27. September von COMING OUT, den Veranstaltern. Übersetzung von Markus Ulrich, LSVD-Bundesverband.

“Mit einer Diskussion über Kunst und BürgerInnenrechte und dem von über 300 Menschen besuchten Konzert „St. Petersburg gegen Homophobie“ fand das russische QueerFest am vergangenen Samstag seinen Abschluss. Trotz des hohen Drucks durch rechtsextremen Protest, Polizei und der Kündigung zahlreicher Veranstaltungsorte war das sechste „QueerFest“ ein voller Erfolg.

Bereits mit der kurzfristigen Verlegung der Eröffnungszeremonie aufgrund der Kündigung des Veranstaltungsorts wegen angeblicher Einsturzgefahr wurde von Beginn an deutlich: Jeder Festivaltag würde zu einem Kampf um Öffentlichkeit, Sichtbarkeit und Sicherheit werden. In den darauffolgenden zehn Tagen kam es zu vier Last-minute-Kündigungen von Veranstaltungsräumen, 40 Absagen für alternative Orte, eine Bombendrohung und der regelmäßigen Belagerung durch aggressive Homophobe (allein 24 Opfer der Attacken vom Eröffnungsabend erstatten Anzeigen bei der Polizei). Das Organisations-Team musste feststellen, dass die Polizei potentielle Veranstalter mit dem Argument unter Druck setzte, dass diese für die zu erwartende „öffentliche Störung“ haftbar gemacht werden würden. Zudem wurden  Kontrollen und Prüfungen angedroht.

Mehrere Events mussten als „geschlossene“ Veranstaltung stattfinden, die nur per Onlinestream übertragen werden konnten. Dennoch: Das erklärte Festivalziel war es, offen für Dialog zu bleiben und nicht in den „Untergrund“ zu gehen. So waren auch die letzten drei Hauptveranstaltungen offen für alle Interessierten. Insgesamt besuchten über 1.000 Menschen das Festival, über 800 verfolgten die Übertragungen von den Veranstaltungen im Internet. Der Vortrag von Linor Goralik über Toleranzerziehung unter Kindern fand allein 140 ZuhörerInnen, über 25% davon heterosexuell.

Dank unserer Partner (der Europäischen Universität St. Petersburg, dem Norwegischen Universitätszentrum, dem Institut für Regionale Medien und dem Club Inifinity), die sich gegen die Drohungen und den Druck durch die Polizei stellten, dank der unglaublichen Kraft der Freiwilligen, die rund um die Uhr arbeiteten und dank des Glauben der St. Petersburger LSBT und ihrer Verbündeten, die ungeachtet der Sicherheitswarnungen kamen, hat das Festival seine Ziele erreicht. Wir haben die LSBT Community und Menschen gestärkt und darüber hinaus unsere Botschaft der Akzeptanz verbreitet.

„Die Tatsache, dass alles daran gesetzt wurde, uns vorzeitig zum Abbruch zu zwingen, zeigt die Wichtigkeit unseres Festivals. Dass wir es dennoch geschafft haben, ist ein Schritt vorwärts für das Selbstbewusstsein der LSBT-Community. Wir haben gezeigt: Zusammen sind wir stark genug, um so lange wie notwendig zu bestehen.“, so Polina Andrianova, eine der OrganisatorInnen des QueerFests.

Wir danken all unseren Partnern und KollegInnen, die uns unterstützten, Veranstaltungen besuchten und so das Festival ermöglicht haben.”

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